Progressive Web Apps & Browserless Web

Ein Beitrag von Mario Rudloff.

Die Idee: Apps kommen zukünftig nicht mehr aus dem Store einer Plattform auf das Gerät, sondern über den Webbrowser, der ohnehin auf jedem Mobilgerät installiert ist. Eine Webseite soll also schrittweise an das technische Setting eines Endgeräts angepasst werden.

Progressive Web Apps vs. Native Apps

Native Apps (NA) sind alle Apps, die in den jeweiligen App Stores von Google, Apple oder Microsoft gelistet werden und dort von Nutzern heruntergeladen werden können (z. B. Instagram oder WhatsApp). Sie müssen speziell für ein bestimmtes Betriebssystem entwickelt werden. Das bringt einerseits höhere Entwicklungskosten mit sich. Andererseits ist es sehr aufwendig, da mehrere App-Versionen für die unterschiedlichen Betriebssysteme entwickelt, veröffentlicht und gepflegt werden müssen.

Progressive Web Apps (PWA) beruhen auf einer Initiative von Google und sollen das App-Modell der Zukunft werden. Grundsätzlich handelt es sich dabei im eigentlichen Sinne nicht um Apps, sondern um eine modifizierte Webseite, die sich an das jeweilige Ausgabegerät oder den verwendeten Browser anpasst.

Plattformanbieter wie Mozilla und Microsoft waren bereits seit Beginn mit von der Partie, Apple zieht nach anfänglichen Prozeduren nach. Der Sprung einer Website aus dem Browser ist auf mobilen sowie auf Desktop-Geräten nun keine große Sache mehr.

Mit der PWA-Technologie können sich Websites durch das „hinzufügen zum Desktop“ mit Namen und Icon in die Liste der nativen Apps einreihen. Der Nutzer wird dabei – je nach Grad der Umsetzung – keinen wirklichen Unterschied mehr zwischen NA und PWA feststellen können. Natürlich kann eine PWA nur eingeschränkt auf die Gerätefunktionen zugreifen, es handelt sich hier schließlich um Websites, die auch im Browser funktionieren müssen.

Welche Vorteile beinhalten PWA aus Anbieter-Sicht?

  • Keine kostenspielige und redundante Implementierung von NA für diverse Plattformen.
  • Bestimmte Funktionen einer Website können im Offline-Modus verwendet werden.
  • Daten, wie beispielsweise Artikel zum später Lesen oder eine Favoriten-Liste, können zusätzlich für die Offline-Verwendung gespeichert werden.
  • PWA können auf dem Endgerät Push-Notifications auslösen, die über Angebote oder Aktionen informieren.
  • Sie passen sich den Bildschirmabmessungen des jeweiligen Gerätes an – vom Smartphone bis zum 85-Zoll-Fernseher.
  • Mehr Sicherheit, da Verbindungen mit der Progressive Web App per SSL verschlüsselt sind.
  • Kein Umweg über App-Stores, keine Lizenzen, keine Freigabeprozesse der Plattformbetreiber – die Bezugsquelle ist immer die Website selbst.

Ein gutes Beispiel

Für eine PWA ist der mobile Twitter-Client. Er ermöglicht einerseits die Ausführung ohne Fensterdekoration des Browers und zum anderen bedarf er an keiner aktiven Internetverbindung, lediglich zum Absenden oder Beziehen von Tweets.

Fazit

Progressive Web Apps stehen noch am Anfang ihrer Entwicklung und Verbreitung. Das Konzept klingt jedoch sehr vielversprechend: Ihren nativen Gegenstücken stehen sie in fast nichts nach und die Unterstützung für sie wächst weiterhin. Es ist durchaus denkbar, dass PWA eines Tages die herkömmliche Website ersetzen kann. So wird das mobile Web noch nutzerfreundlicher und Push-Nachrichten oder eine Offline-Nutzung können zu einem höheren Nutzer-Engagement führen. Weiterführend sind, aufgrund des deutlich geringeren Programmieraufwands, PWA im Vergleich zu NA deutlich preiswerter zu realisieren und somit von einer breiteren Masse an Unternehmen nutzbar – und das macht es auch für uns und für die Arbeit mit unseren Kunden spannend.

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Der Autor

Mario bei Xing

Mario Rudloff
Senior Developer, Darmstadt