Von alter und neuer Kunst – die documenta14 in Athen

Von Zeit zu Zeit braucht es eine kreative Auszeit. Die kleinen, tüchtigen Synapsen dürfen dann einen Gang runter fahren und die Pupillen werden wieder rund. Wie so eine Auszeit aussehen kann, zeigt uns Kollegin Andrea.

Ein Beitrag von Andrea Sandau.

Wer sie noch nicht kennt: Die documenta gilt als weltweit größte Ausstellung zeitgenössischer Kunst und wird dieses Jahr 14 Jahre alt. Statt wie bisher nur in Kassel, findet sie in diesem Jahr erstmals auch an einem zweiten Standort in Athen statt.
In meinem Griechenland-Urlaub war es daher Pflicht für mich, einmal vorbei zu schauen und ein paar Eindrücke zu sammeln.

Die documenta 14 ist geprägt von Installationen, (öffentlichen) Ausstellungen und Performances. An manchen Tagen gibt es nicht allzu viel Programm – hier lohnt sich ein Blick in den Kalender, ob und welche Veranstaltungen an den eigenen Besuchstagen stattfinden.

Eine dieser öffentlichen Ausstellungen findet in bunten Zelten auf dem Kotzia-Platz statt. Unter dem Titel „Food for Thought: Thought for Change“ lädt der Künstler Rasheed Araeen Menschen ein, zusammenzusitzen und gemeinsam das dort zubereitete Essen zu genießen.

Sogar länderübergreifende Performances gibt es: Vier Reiter, darunter zwei Deutsche, überwinden bei „The Transit of Hermes“ in 100 Tagen die 3.000 km von Athen nach Kassel mit ihren Pferden.

Ebensolche Veranstaltungen zeigen auch die Ambitionen der documenta: Solidarität mit Griechenland und kulturellen Stoff zum Innehalten schaffen. Politisch soll es an dieser Stelle nicht werden – Kritik gibt es an Griechen und Deutschen gleichermaßen.

Neben öffentlichen Veranstaltungen und Performances gibt es auch diverse Ausstellungen in Museen, Galerien, Hochschulen etc.

Als größter Veranstaltungsort war das Nationale Museum für Zeitgenössische Kunst (EMST) einen genaueren Blick wert. Neben abstrakten Installationen und Gemälden können dort auch Video- und Toninstallationen bestaunt werden. Wie bei der Kunst üblich, ist dabei einiges leichter zu erfassen als anderes. Den Horizont erweitert es aber in jedem Fall.

Die documenta14 User Experience auf dem Prüfstand

Hält man in der Stadt nach Hinweisen auf die documenta Ausschau, muss man schon etwas suchen. Plakate und Banner finden sich nur vereinzelt.

Plakat und Banner zur documenta in Athen. Foto: Andrea Sandau

Zumal es, statt eines durchgängigen Key Visuals in diesem Jahr unterschiedliche Gestaltungsrichtungen für die Ausstellung gibt. Im Hinblick auf die Ausrichtung in zwei sehr unterschiedlichen Ländern finde ich diesen Ansatz aber legitim und spannend.
Typografie- und Grafik-Interessierte können alle Plakate, auch die der Vorjahre, hier anschauen.

Schwierigkeiten in der Navigation zeigen sich auch auf der Webseite der Ausstellung. Richtig übersichtlich ist die Seite leider nicht. Die Verbindung von Kalender und Karte ist – vor allem unterwegs und ohne genaue Ortskenntnisse – herausfordernd. Da könnten wir als Digitalagentur sicher den einen oder anderen Verbesserungsvorschlag liefern. 😉

Nicht nur Gegenwart – auch Vergangenheit

Die andere Seite Athens und die griechische Geschichte liegt jedoch fernab der Ausstellungsräume. Daher ist neben der zeitgenössischen Kunst auch historische, antike Kunst in Form von Ruinen, Tempeln und Ausgrabungsstätten auf der Agenda der documenta zu finden.

Kunst ist eine großartige – mitunter eigenwillige – Quelle für Inspiration und zum Anregen der eigenen Kreativität. In dem historisch sehr reichhaltigen Athen bekamen die gesammelten Eindrücke noch mal eine ganz eigene Note. Ich bin froh, die Gelegenheit genutzt zu haben, auch wenn nicht jede Ausstellung oder Installation meinen Geschmack treffen konnte.

Soweit der kleine Einblick in die documenta. Wer es jetzt nicht mehr bis nach Athen schafft – dafür hat man nur noch bis zum 16.7. Zeit – kann sich vom 10.06. bis zum 17.09. an den Ursprungsort der documenta nach Kassel begeben. Liegt auch viel näher.

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Die Autorin

Andrea Sandau
Senior Art Director, Darmstadt
Christiane bei Xing