Warum Unternehmen bei UX Sound hellhörig werden sollten

Benachrichtungsglocke auf Bildschirm

Ein Beitrag von Fania Bremmer.

Wir alle sind täglich von Sound umgeben: Unser Tag startet mit dem Wecker-Klingeln und endet mit dem Ausschalt-Klicken des Lichtschalters. In Form von Musik begleitet er uns durch den Tag oder informiert uns als wichtige Radionachricht über Neuigkeiten.

Ob im Feld der Robotik, Internet of Things, Smart-Home-Anwendungen, Sprachassistenten oder Virtual/Augmented Reality: Das Wachstum digitaler Produkte und Geschäftsfelder verstärken den Trend hin zur auditiven Kommunikation und steigern den Stellenwert von akustischen Reizen im Rahmen der User Experience.

Laut einer Studie von Gartner werden 2020 mehr als 30 % aller Web-Interaktionen ohne Bildschirm gesteuert werden. Dies macht den Einsatz von Sound in Interfaces umso relevanter und Sprachsteuerung und Stimm-Aktivierung wird einer der Wege sein, wie wir mit Geräten interagieren.

UX Sound (User Experience Sound) beschreibt diese auditive Interaktion mit Produkten, Diensten und Umgebungen.

Sound kann bei entsprechender Anwendung ein sehr nützliches Werkzeug sein. Es gibt einige Fälle, bei denen das Audio Design besonders wichtig ist:

1. Feedback

Traditionell wird Audio in Form von Feedback eingesetzt, zum Beispiel wenn der User einen Button drückt – egal ob am Handy, im Auto, bei Spielzeugen oder sonstigen Geräten. Auch Bluetooth-Geräte, die ohne Screen auskommen, benutzen oft einen rein akustischen Hinweis, wenn sich die Geräte verbinden. Generell haben Wearables und IoT-Geräte ein immenses Potential im Einsatz von UX Sound, wenn zum Beispiel nur ein sehr kleiner oder gar kein Screen mehr vorhanden ist.

Wo also rein visuelle Kommunikationskonzepte an ihre Grenzen stoßen, kann Sound Design sein ganzes Potential entfalten: Es kann die Nutzerfreundlichkeit steigern, indem es die intuitive Interaktion mit digitalen Technologien unterstützt. Es kann helfen, komplexe Funktionalitäten in einfache akustische Interaktionen zu übersetzen. UX Sound kreiert so ein ganzheitliches Nutzererlebnis.

2. Benachrichtigungen und Warnungen

Miniatur-Krankenwagen

Schon vor Smartphone & Co. wurde Sound zur Untersützung der Kommunikation genutzt. Photo by Zhen Hu on Unsplash

Sounds sind schwer zu überhören und ziehen die komplette Aufmerksamkeit des Nutzers auf sich, weshalb sie optimal im Einsatz von wichtigen Benachrichtigungen und Warnungen sind. Zum Beispiel das „Bing“ der Mikrowelle, um darauf hinzuweisen, dass das Essen nun warm ist. Oder das „Bing“ am eigenen Smartphone, wenn eine Nachricht unserer Freunde eingegangen ist.

Aber auch Warnhinweise, zum Beispiel von der Einparkhilfe am Auto, können Usern helfen, kritische Situationen zu meistern. Gerade im Automotive Bereich ist es wichtig, dass der Fahrer nicht abgelenkt wird und allzu lange auf einen Screen starren muss, sondern durch intelligentes Sound Design geleitet und unterstützt wird. Das kann zum Beispiel durch das Sprach-Interface des Navigationsgeräts oder die Benachrichtigung, dass die Außentemperatur um den Gefrierpunkt beträgt, geschehen.

3. Branding

Für Marken ist Sound Design bereits seit langem ein wertvoller Bestandteil in der eigenen Corporate Identity. Hier geht es um die Verknüpfung von Tönen, Melodien oder generell akustischer Elemente mit einer Marke oder einem Produkt. Ziel ist es dabei, eine ganzheitliche Erfahrung der Marke mit den verschiedenen Sinnen zu ermöglichen, um so eine spezifische Identität zu kreieren. Branding sorgt hier für eine Wiedererkennung und Differenzierung.

Es gibt viele prominente Beispiele für diese Form des Branding: Die Melodie von 20th Century Fox bei Filmen erkennt jeder bereits ab dem ersten Klang. Doch auch melodische Slogans können den erwünschten Effekt haben. So hat McDonald’s mit „ba da ba ba ba – Ich liebe es!“ nicht nur im Fernsehen, sondern auch im Radio geworben. Oder das „Lecker, Lecker, Lecker, Lecker, Lecker!“ vom Seitenbacher Müsli im Radio. Trotzdem gibt es noch kürzere, aber umso eingängigere Sounds. Wer kennt nicht Microsofts Erkennungston oder würde den einzigartigen Sound von Intel verwechseln?

Vintage Mixing Pult

Die Einfachheit vieler Sound-Elemente sollte nicht täuschen: In ihnen steckt oft viel Arbeit. Photo by João Silas on Unsplash

Dabei spielen ebenfalls psychologische Gründe eine Rolle, die für die positive Rezeption von Markenmelodien sprechen, denn durch Sound werden emotionale und Erinnerungs-Trigger bedient.

Wann und wie man UX Sound (nicht) einsetzen sollte

Man sollte genau überlegen, wann es sinnvoll ist, Sound in das eigene Produkt, die eigene Website oder App zu integrieren. Denn so sehr Sounds helfen können, sich zurecht zu finden, so sehr können sie auch stören und unterbrechen. Unsere Welt ist reich an Ablenkungen, Lärm und Aufmerksamkeit. Unnötige Sound-Effekte können zusammen mit den sowieso auf uns einprasselnden Reizen eine Informationsflut entstehen lassen. Besonders, wenn sie jeder unüberlegt einsetzt.

Ein unnötiger Sound, der nur zum Selbstzweck abgespielt wird, kreiert eine schlechte Experience. So sollte den Nutzern auch die Möglichkeit gegeben werden, Töne zu deaktivieren, zum Beispiel die Hintergrundmusik einer Website oder Hinweistöne einer App.

Was bringt die Zukunft?

Der Science-Fiction-Film Her zeigte bereits, wie Künstliche Intelligenz und Sprachassistenz in einer nahen Zukunft aussehen könnten. Tatsächlich finden sich, vor allem in den USA, inzwischen millionenfach Geräte wie Amazons Smart Speaker der Echo-Reihe, die mit der Sprachassistenz Alexa ausgestattet sind.

Dies hat einen entscheidenden Einfluss auf unseren zukünftigen Umgang mit Geräten. Daher wird das Thema Sound UX zukünftig bestimmt immer stärker eine wichtige Rolle im Design Prozess spielen. Wir sind gespannt.

Die Autorin

Fania Bremmer Fania Bremmer
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