Des Kaisers neue Kleider: Welche Design Trends 2019 wichtig sind

Schriftzug „Design Trends 2019“ auf blauem Hintergrund mit gelber Erdbeere

Ein Beitrag von Kristian Bosnjak
Bald ist 2018 vorbei. Aber auch in 2019 geht die Balz zwischen Marken und Menschen weiter. In der Evolution stets ein beliebtes Mittel – egal ob bei Partner- oder Markenwahl: die Optik, das Visuelle, das Design. Bleibt die Frage, welches Design in 2019 die besten Erfolgschancen verspricht. Anhand der beliebten Design Trends 2019 auf Behance möchte ich genau diese Frage für euch klären.

Um das ganze etwas kritischer zu beleuchten, schiele ich mit einem Auge auch auf die Trends für dieses Jahr. So finden wir heraus, welche Design Trends 2019 in Ungnade fallen (könnten) und welche weiterhin an Fahrt aufnehmen. Kurze Rede, langer Sinn: Los geht’s!

Der Trend zum Bunten verläuft sich nicht

Kräftige Farben sind weiterhin in. Das ist direkt ein Kandidat, der es schon 2018 in die Liste geschafft hat. Nach den sehr pastelligen und gedeckten Farben in den Jahren davor, ist der Appetit nach klaren und mutigen Farben noch nicht gestillt. Dabei kann sich auch gerne abseits der üblichen Farbpalette bedient werden. Wichtig ist, dass die Farbe(n) zur Identität der Marke passen. Starke Farben helfen einer Marke sich von der Konkurrenz abzusetzen. Besonders bei dem Bespielen von Kanälen mit hohem Informationsaufkommen wie – so ziemlich allen – sozialen Netzwerken, ist das von großer Bedeutung. Konkurrenz ist dort nämlich nicht nur der direkte Wettbewerber, sondern auch jedes andere Stück Content, dass die Aufmerksamkeit des Nutzers vielleicht besser einfängt.

Ein weiterer Titelverteidiger sind Verläufe. Auch im dritten Jahr in Folge auf dem Treppchen ist kein Ende für ihren Siegeszug in Sicht, was auch Instagram und Apple mit ihrem prominenten Einsatz von Verläufen bestätigen.

Beides lässt sich auch gut im „Trend des Jahres“ vereinen: Illustrationen! Handgemachte Illustrationen mit kräftigen Farben und sanften Verläufen im Hintergrund geben einer Marke Persönlichkeit und sind willkommene sowie charmante Abwechslung gegenüber Stock-Photographie. Für die Silberregion Karwendel haben wir beispielsweise ein „historisches“ Maskottchen als Illustration wiederbelebt, die jetzt als „Karwendolin“ gerade die kleinen Besucher der Silberregion anspricht.

Handle with care: Die Avantgarde-Trends

Zugegeben: Sobald etwas in den Design Trends 2019 auftaucht, ist es schwer als Avantgarde zu bezeichnen. Bei Asymmetrie und Eklektik, zwei weitere Trends, halte ich diese Einstufung jedoch für gerechtfertigt. Beides sind Stile, die sehr eindrucksvolle visuelle Identitäten schaffen können, jedoch nicht leicht umzusetzen sind. Gerade bei der Integration in relativ strikte Corporate Designs verlieren diese Elemente schnell ihren Zauber.

Eklektisches Multi-Wallpaper

Wer Asymmetrie und die Kombination verschiedener Stile in einem Design einsetzt, wird mit einem spannenden Blickfang belohnt – wenn es funktioniert. Photo von John Jennings auf Unsplash

Deswegen sieht man sie meist bei kleineren und jungen Unternehmen. Die sind in ihrem Auftreten sehr urban und nah an der Zielgruppe, die dieses Design in den letzten Jahren wirklich gepusht hat. Wer also bereit ist, im Design etwas zu Experimentieren, kann hier noch viel Potential abrufen, das von der Konkurrenz eventuell etwas vernachlässigt wird. Gerade bei zielgruppenspezifischen Angeboten, die nicht direkt das gesamte Publikum eines Konzerns ansprechen, werden dafür klassischerweise Freiräume mit viel Erfolg eingesetzt.

Aufmerksamkeit binden mit Animationen & Micro-Interactions

Kleine Animationen sowie Interaktionsmöglichkeiten machen jede Website und jede App dynamischer, unterhaltsamer und lebendiger. Nach Jahren von öden, statischen Pop-ups, Dropdown-Menüs, etc. kommt endlich Bewegung in die Sache. Hier kann schon mit relativ wenig Aufwand ein großer Effekt erzielt werden, was diese Design Trends 2019 sehr dankbar in der Anwendung macht.

Ein großes Argument für ihre Verwendung ist sicherlich auch der Fortschritt der Technik sowohl auf Hardware- als auch auf Software-Seite. Auch Mittelklasse-Smartphones haben mittlerweile die Rechenpower um mit Animationen und interaktiven Elementen umzugehen – und ermöglichen durch ihre Touch-Funktion noch viel mehr Möglichkeiten in der Gestaltung.

Und für unsere Kollegen aus der Entwicklung sind komplexe Animationen beispielsweise des User Interfaces mit dem Aufstieg von Technologien wie dem JavaScript-Framework React auch deutlich einfacher zu handhaben. Progressive Web Apps sind hier das Paradebeispiel für leistungsfähige, plattformunabhängige Web-Präsenzen. Aber auch CSS3 und HTML5 sind leistungsfähiger geworden und besser für Herausforderungen dieser Art gewappnet. Für Bullyland haben wir eine ganz simple Animation eingesetzt, die den Nutzer spielerisch durch die Website führt.

Ordnung muss nicht mehr sein

Jedenfalls nicht mehr ganz so strikt. Der nächste Kandidat ist eine Doppelspitze aus langjährigem Underdog und Neuheit: „Broken Grid & Overlapping Elements“. Nach Jahren von Bildrahmen und Textblöcken, die an ihrem Platz stehen und sich auf keinen Fall überdecken dürfen, wurde diese Regeln in den letzten Jahren immer weiter gebrochen. Was chaotisch klingt, kann bei gutem Design das Layout und dessen Content aufwerten.

Wer trotzdem alles im Blick haben möchte, kann sich mal Isometrisches Design anschauen. Hier wird ein Gefühl von Räumlichkeit erzeugt. Die Deutsche Telekom und wir haben uns schon 2016 für die Telekom Cloud City damit beschäftigt, 2019 erlebt der Trend jedoch noch mal einen gehörigen Schub.

Die Verlierer: Uncool oder einfach schon Mainstream?

Die Design Trends 2019 haben wir damit fast komplett abgehandelt. Ein paar Namen haben den Sprung von 2018 in jedoch nicht geschafft. Brutalismus, Generative Gestaltung oder geometrische Formen und Responsive Logos um nur ein paar zu nennen. Es mag vielleicht weniger „trendy“ sein, diese Elemente zu nutzen, das macht sie aber nicht per se zu schlechtem Design. Vielmehr sollte man sie als beständige Bestandteile im Repertoire eines Designers sehen. Denn man sollte z. B. sicherlich nicht aufhören, Logos responsiv zu gestalten, nur weil es für 2019 kein Trend ist.

Design Trends 2019: Süße Zukunftsmusik

Ich freue mich darauf, 2019 vermehrt mit diesen Trends arbeiten zu können. Einige waren länger überfällig. Für besonders wichtig halte ich die starken Farben, Animationen und Micro-Interactions. Im Wettstreit um die Aufmerksamkeit der Verbraucher sind diese Tools nicht zu vernachlässigen. Letztere bieten zudem auch viel kreativen Spielraum, mit dem sich wirklich coole Designs realisieren lassen. Aber man sollte alles im Auge behalten. Die komplette Auflistung findet ihr auf Béhance. Die UX/UI-Trends habe ich auch bewusst außen vorgelassen. Vielleicht sollten sich ein paar meiner Kollegen denen annehmen. Was meint ihr?

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Der Autor

Kristian Bosnjak Kristian Bosnjak
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