Big Data, Big Problems: Dem deutschen Mittelstand kann geholfen werden

Ein Beitrag von Florian Kasper und Holger Kahnt.

Daten werden gerne als der wertvollste Rohstoff des 21. Jahrhunderts gepriesen – das neue Öl. Beides treibt uns voran, im übertragenen als auch im tatsächlichen Sinne. Dabei wird eines gerne vergessen: Öl ist nur wertvoll, weil es der Treibstoff für den Motor unserer Zivilisation ist. Wir brauchen ein Bewusstsein dafür, dass auch Daten als Rohstoff nur ihren Wert entfalten, wenn sie ein sinnvoller Treibstoff für Anwendungen und Erkenntnisse („Insights“) sind.

Unter dem Titel „Rohstoff des 21. Jahrhunderts: Big Data, Smart Data – Lost Data?“ verrät die neuste Commerzbank Studie nicht nur, wo der deutsche Mittelstand diese Ölquellen findet, sondern auch, wie es um das genannte Bewusstsein steht. Demnach halten 81 % Big Data zwar für ein zentrales Thema, ungeachtet von Größe oder Branche des Unternehmens. Allerdings zeigt die Studie auch, dass dies noch mehr Lippenbekenntnis als praktizierter Glaube ist. Daten werden größtenteils intern erhoben, nur 12 % der Befragten machen sich die Daten aus der Customer Journey ihrer Kunden zunutze. Bei allen anderen liegen die Daten weitgehend ungenutzt auf der hohen Kante.

„DATENFAULHEIT“ IN DEUTSCHEN UNTERNEHMEN?

„Datenfaulheit“ klingt erstmal unangebracht. Einen wirklichen Vorwurf kann man dem Mittelstand bei genauerem Hinschauen auch nur bedingt machen: „Big Data ist […] kein Erkenntnisproblem“, heißt es in der Studie. Die Gründe werden dort eher in der fehlenden Fachkompetenz der Mitarbeiter ausgemacht und daran, dass das Management das Thema nicht stark genug vorantreibt. Erschwerend kommt hinzu: Die Spezialisten für Datenverarbeitung, „Data Scientists“, sind ein zumindest in Deutschland seltener und ergo überdurchschnittlich gutbezahlter Berufsstand. Eine Festanstellung in Vollzeit ist da nicht einfach zu realisieren.

Seit neuestem hängt auch das Damoklesschwert DSGVO über den Köpfen vieler Verantwortlicher. Selbst einen Monat nach ihrem Inkrafttreten sind große Medien wie die Los Angeles Times noch gelähmt und machen ihr Angebot dem europäischen Publikum lieber gar nicht erst verfügbar. Verständlich, dass der Mittelstand da nicht einfach nach vorne preschen kann oder will.

NEUES PFERD IM STALL: INSIGHT-DRIVEN

Langfristig bleibt nur die Flucht nach vorn: Die datengetriebene Organisation (DDO) ist schon veraltet, „Insight-getrieben“ (IDO) steht an ihrer Stelle. Die Hypothese: Daten an sich sind nichts wert, außer man kann aus ihnen Insights (Erkenntnisse und Einblicke in z. B. das Kundenverhalten) ableiten, mit denen man strategische Wettbewerbsvorteile erlangt. Ebenso wichtig ist, dass die Insights Bereiche betreffen, über die man die Kontrolle hat. Dann spricht man auch von „anwendbaren Insights“.

Es lohnt nicht, Daten blind zu analysieren und im Nachhinein zu schauen, auf welche Geschäftsziele die Ergebnisse anwendbar sind. Stattdessen gilt es zu überlegen, welche Insights ein bestimmtes Geschäftsziel unterstützen können und konkret auf diese hinzuarbeiten. Daraus resultiert auch weniger Datenmüll: Datensätze, die auf keine relevante Kennziffer einzahlen, können ausfindig gemacht und bereinigt werden. Im Umkehrschluss finden sich bei einer kreativen Herangehensweise auch neue Geschäftsmodelle, welche die Zukunft des Unternehmens sichern können. Misst ein Unternehmen etwa das Nutzerverhalten ihrer Website-Besucher oder über welche Kanäle Anfragen und Aufträge hereinkommen, so lassen sich aus dem daraus gewonnen Wissen entsprechende Maßnahmen ableiten und optimieren.

NEXT STEPS: INSIGHT-DRIVEN CHECKLISTE

Wie beginnt man die Transformation zur Insight-driven Organisation? Wir haben ein paar Punkte für euch zusammengestellt, mit denen ihr direkt anfangen könnt:

/VISION: Besteht in Eurer Organisation bereits ein Bewusstsein für die Wichtigkeit von Daten? Prima! Wenn nicht, gilt es, das Anliegen in die Führungsebene hineinzutragen. Dabei lässt sich am einfachsten mit harten Zahlen argumentieren. Geht auf jeden Fall mit einem klaren Ziel und Nutzenversprechen für das Unternehmen in dieses Gespräch.

/CHECKUP: Verschafft (und verschriftlicht) einen genauen Überblick über alle von Euch erfassten Daten und die wichtigsten Daten-Knotenpunkte. Eine gute Punkt-für-Punkt-Anleitung bietet die englische Seite ITgovernance.

/MINDSET: Es ist unmöglich, als Einzelperson jeden Geschäftsprozess in Bezug auf sein „Insight-Potential“ im Kopf zu haben. Deswegen müssen Mitarbeiter an Schlüsselpositionen geschult werden, diese Potenziale erkennen zu können.

/AGILITY: Einer der größten Vorteile einer IDO ist die Fähigkeit, Entscheidungen schnell anhand von verlässlichen Zusammenhängen zu treffen. Der notwendige Veränderungsprozess sollte ebenfalls in kurzen Sprints analysiert und reflektiert werden. So überprüfen Sie den Erfolg der Anstrengungen einfach und können flexibel nachsteuern.

FAZIT

Daten gibt es mehr als genug. Was fehlt, ist das Bewusstsein, welche Daten gegebenenfalls vorhanden sind und/oder messbar wären. Auch fehlt es an Know-how für ihre Auswertung, an der Erkenntnis für ihre Dringlichkeit und ihrer korrekten Handhabung. Besonders entscheidend ist ein unaufgeregter und lösungsorientierter Umgang mit dem Thema sowie die Bereitschaft, in Big Data bzw. Smart Data zu investieren, um langfristig zu profitieren.

Externe Spezialisten, wie wir von CAMAO, können das benötigte Wissen ins Unternehmen tragen. Das beinhaltet mehr als bunte Folien oder pauschale Aussagen zu präsentieren: Mit einer gründlichen Analyse des Geschäftsmodells und der Customer Journey finden wir heraus, welche Stellschrauben durch datengetriebene Insights optimiert werden können. Wenn wir auch Ihnen auf der unserer Reise zum datengetriebenen Unternehmen Inspirationen geben dürfen, schreiben Sie uns gerne an: hello@camao.one

AUSBLICK

Wir freuen uns auf eine noch ausführlichere Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Commerzbank-Studie: Morgen, am 16. August 2018, begrüßen wir Achim Preu vom Darmstädter Echo sowie Guido Groß und Peter Tiefenbach von der Commerzbank bei CAMAO in Darmstadt. Stay tuned!

NACHTRAG

„Datengold bleibt in Südhessen oft ungenutzt“: Lesen Sie jetzt auf Echo-Online den Artikel zu unserem Treffen mit der Commerzbank.

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