Mobile First, Desktop First, Mobile Only – was denn nun?

Ein Beitrag von Carolin Berlinghof.

Bereits seit einigen Jahren nimmt der mobile Internetzugang rasant zu und sorgt mit dem Designtrend Mobile First für Gesprächsstoff. Bevor dem Gedanken an eine Desktopversion Aufmerksamkeit geschenkte wurde, forderten viele Frontend-Designer zuerst die „kleine“ mobile Variante einer Website. Da bis heute die Anzahl unterschiedlich großer Endgeräte (z. B. Tablets oder Fernseher) kontinuierlich steigt, sollte der Machtkampf zwischen Desktop und Mobile First neu definiert werden – mit Fokus auf dem Nutzer.

Desktop First – wie alles begann

Im Jahr 2007 startete der Mobile Hype mit dem ersten Apple iPhone. Immer mehr Nutzer fanden Gefallen daran, überall und zu jeder Zeit im Internet aktiv sein zu können. Viele Unternehmen standen mit ihren Desktop-Versionen anschließend vor folgendem Problem: Schlecht bedienbare, überladene mobile Websites, die für jeden User eine weitaus schlechtere Experience mit sich zog.

Mobile First – erfolgreicher Ansatz oder Hype?

Das Wachstum mit mobilen Websites war enorm und schnell wurde klar, dass eine Abhilfe für die Devise Desktop First gefunden werden muss: Mobile First.
Große Unternehmen wie Google, Facebook und Adobe sind frühzeitig auf diesen Prozess aufmerksam geworden und haben mit der Entwicklung neuer Plattformen und Features, die zunächst ausschließlich für mobile Endgeräte entwickelt wurden, entsprechend reagiert.
Es ist immer einfacher, etwas von Anfang an simpel zu planen, als es im Nachhinein zu vereinfachen – sobald Webdesigner umdenken und diesem Designprozess nachgehen, hat das durchaus große Vorteile. Bei der primären Erstellung eines Designs für das Gerät mit der niedrigsten Leistung, hat das den positiven Effekt, dass man sich auf das Wesentliche konzentriert: den Content. Ein Ablauf, der es ermöglicht, alle folgenden Komponenten eines Projekts jederzeit kritisch zu hinterfragen.

Beispiel: Ist es wirklich notwendig, für eine bestimmte Reihe von Endgeräten ein besonders aufwändiges Layout zu entwickeln, einfach weil es möglich wäre – oder genügt es, durch einfache Nutzerführung zu überzeugen?

Natürlich spricht nichts dagegen, auch die Desktop-Version mit einem besonders aufwändigen Design zu verwirklichen. Der Vorteil, dies erst in zweitem Schritt anzustimmen ist, dass es sich leichter von der Mobile-Version differenziert. Selbst deaktivierte Komponenten können noch immer Einfluss auf die mobile Ladezeit haben. Vorbeugen kann man dieser Wirkung, wenn schon mit dem Einbringen der Komponente erkennbar wird, dass sie sich ausschließlich für die Desktop-Version eignet.

Mobile Only – weit ausgeholt oder realistisch?

Die Anfänge der unterschiedlichen Darstellungs-Varianten von Websites implementierte Mobile First. Allerdings beinhaltet dies, dass Mobile zwar besonders wichtig ist, aber andere Kanäle (z. B. Desktop) trotzdem relevant sind.
Manch einer hat diese Entstehung weiter ausgebaut und definiert Mobile First bereits als veraltet. So ist die nachfolgende Version – Mobile Only – zu einem Buzzword der Szene geworden; das in seiner Umsetzung allerdings noch immer schwer greifbar ist.
Ein Vorteil wäre, dass wir mit Mobile Only nutzerzentrierte Oberflächen hätten. Man könnte also stets auf den ersten Blick sehen, ob das entwickelte Design tauglich ist oder nicht. Natürlich gibt es genug Situationen, in denen Vereinfachung nicht das Richtige ist.

Beispiel: Betrachten wir einmal das Bildbearbeitungs-Programm Adobe Photoshop, das mit seinen zahlreichen Features zu professionellen Ergebnissen beiträgt. Diese Komplexität wird niemals auf ein Smartphone übertragbar sein. Natürlich gibt es eine abgespeckte Variante: die Adobe Photoshop Express App. Doch wird diese keine vergleichbaren Ergebnisse erzielen.

Wir bei CAMAO

Auch im Agenturleben werden wir in unseren täglichen Abläufen mit diesen Prozess-Strategien konfrontiert. Mobile Only gilt in der heutigen Zeit ausschließlich für Projekte, die eine App behandeln. Flächendeckend wäre es erst dann, wenn wir alle auf unseren Desktop verzichten – und wer weiß, ob uns bis dahin nicht längst eine komplett neue Technologie zur Verfügung steht.
Es reicht heute nicht mehr aus, nur nach einer Strategie zu streben.
Selbst bei einer reinen Desktop-Variante sollte stets parallel mit Mobile First als gedankliches Priorisierungstool gearbeitet werden – so liegt der Fokus immer auf den wichtigsten Inhalten.
In anderen Szenarien ist es dahingegen nicht immer ausreichend, Content so weit zu reduzieren und ausschließlich mobil zu denken. Bei Abstimmungen mit Kunden erweist sich eine alleinige Präsentation auf mobilem Endgerät als problematisch.
Unsere Devise ist stets, die Kundenperspektive mit einzubeziehen und für jedes Projekt die richtige Herangehensweise zu finden. Letztendlich wird immer versucht, dem Endnutzer eine optimale User Experience zu verschaffen und Inhalte in gewissen Grenzen dem sichtbaren Platz optimal anzupassen.

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Die Autorin

Carolin Berlinghof
Concept Developer, München