„Abstract: The Art of Design“ oder: Warum ich meinen Beruf liebe

Coverbild der Serie

Ein Beitrag von Fabian Mörbe.

Die Ästhetik eines Designs fesselt und bezaubert den Betrachter. Denn das Streben und das Bedürfnis nach Schönheit ist uns Menschen angeboren.

Es steckt viel Wahrheit in diesen Worten von Wolfgang Beinert. Vielleicht bin ich deshalb so von der neuen Netflix-Doku „Abstract: The Art of Design“ vereinnahmt. Wer bisher noch nicht bei dem Streaming-Dienst ist (was sich meinem Verständnis entzieht): Diese Serie ist ein erstklassiger Grund, den kostenlosen Probemonat zu starten. Ganz besonders wenn man auch nur ein Fünkchen Interesse am Thema Design hast.

Es ist eine Dokumentation über die Entstehung von Ideen, deren innovative Umsetzung und das ganze Drumherum – Emotionen, Frust, Leidenschaft, Begeisterung. Schön und authentisch inszeniert. Wenn wir gerade beim Thema schön sind: „Abstract“ ist voller ästhetischer Leckerbissen. Das liegt natürlich auch daran, dass in den acht Folgen jeweils verschiedene renommierte Designer begleitet werden. Dabei wird auch deren Arbeit gezeigt. So ist die Serie nicht nur sehr aufschlussreich, sondern auch einfach toll anzuschauen. Ich glaube fast, ohne Ton würde sie mir genauso viel Spaß machen.

Die Bandbreite an Designern reicht dabei von dem deutschen Illustrator Christoph Niemann (20+ Cover für „The New Yorker“) bis zu der Grafik-Designerin Paula Scher (Partnerin bei Pentagram) oder Tinker Hatfield – einem der erfolgreichsten Schuh-Designer (u. A. Schöpfer der Nike Air Max und Jordans). Auch Aspekte wie Fotografie, Bühnenbild oder Architektur werden beleuchtet. Ich bin mir sicher, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Interessant sind sie alle.

Kreativ auf Kommando? Fehlanzeige.

Nichts ist so launisch wie unsere Kreativität. Auch bei den Besten der Besten. In der Serie habe ich aber gemerkt, dass herausragendes Design weniger mit Kreativität zu tun hat, viel mehr mit Empathie gegenüber Kunden, der Fragestellung und dem Thema. Ich war fasziniert von der Unterschiedlichkeit der einzelnen Workflows, die doch immer dem gleichen Prinzip huldigen: Die Suche nach der einen Idee.

Nur diese eine Idee. Manchmal ist sie so unauffindbar wie das Smartphone, das sich heimtückisch in der eigenen Hand versteckt hat. An einem anderen Tag kommt sie treu wie ein alter Hund angelaufen und leckt einem freudig das Gesicht ab. Als Designer kann ich mich sehr gut in die portraitierten Personen und ihre persönliche Suche hineinversetzen, ihren Frust und ihr Glück mitfühlen. Ein weiterer Punkt, warum mir die Serie so gefällt.

Doch was für mich das Schönste an der ganzen Reportage ist: Sie legt Fokus auf das Wesentliche. Die Liebe und die Leidenschaft am Design. Manchmal habe ich das Gefühl, beides kommt heute in unserer Branche etwas zu kurz. Deshalb einfach anschauen, genießen und inspirieren lassen. Danach sieht man viele Dinge mit ganz neuen Augen.

P.S.: Einen hab ich noch, für alle die mehr Hintergrundinfos wollen: Vox-Interview mit Christoph Niemann und Produzent Morgan Neville

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Der Autor

Fabian Mörbe Fabian Mörbe
Art Director, Heilbronn
Fabian bei Xing